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KIELER NACHRICHTEN

…Ein gutes Beispiel dafür ist das Sonntagabendkonzert Hiroaki Takenouchis, der zum zweiten Mal nach Husum kommt: In seinem vielseitigen Programm zeigen zwei einsätzige h-Moll-Sonaten unterschiedliche Auswirkungen des ‚Skrjabinismus’: Der führt im Jugendwerk des Doktor-Schiwago-Dichters Boris Pasternak (1909) in spinnwebfein-esoterische Motivzerspleißung und wohl doch eher in die prä-atonale Sackgasse, bei Alexander Krejn (1922) dagegen zu prägnanten Konturen mit großen Steigerungen und Annäherungen an den Impressionismus. All das verdeutlicht Takenouchi souverän und mit schönen Schattierungen.

In der Piano Suite des Japaners Akira Ifukube (1934) demonstriert er eine Spielart japanischer Spielmusik mit vielen Ostinati und für uns ungewohntem (länglichem) Zeitgefühl, in Hubert Parrys hübscher Suite „Hands across the Centuries“, die barocke Tanztypen nicht imitiert, sondern spätromantisch weiterdenkt, eine große Liebe zu Brahms & Co. Nikolai Medtners einsätzige Sonata minacciosa (1931/32) bringt dann den russischen Gegenentwurf auf (oder sagen wir besser vor) der Brücke zwischen Spätromantik zur Moderne. All das meistert Takenouchi überlegt und weithin überlegen. Die Bravos sind berechtigt.

Michael Struck

(AUGUST 2010)