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SCHLESWIG HOLSTEINISCHER ZEITUNG

Die Achterbahn der Klavierraritäten

… Der Japaner Hiroaki Takenouchi stellt so etwas wie den idealtypischen Virtuosen à la Husum dar: virtuose Beherrschung des Instruments, geschmackvolle Anschlags- und Pedalkultur, extraordinäre Programmwahl, intellektuelle Werkanalyse nebst uneitler Interpretation. Zwei “Brocken” zu Beginn: Sonaten der Skrjabin-Jünger Boris Pasternak (der berühmte Romancier!) und Alexander Krejn mit der für die Jahrhundertwende typischen Mischung von spätromantischer Exstatik, komplexen Ballungen und mitunter dissonanten Eintrübungen. Spielerisch vertrackt die Piano-Suite von Akira Ifukube mit pentatonischen Pseudo-Zitaten aus der japanischen Folkloretradition. Als feinen Kontrast dazu der Brite C.H.C.Parry, der in liebenswürdiger Manier diverse historische Charakterstücke in eine anmutige Retro-Suite verwandelte.

Rauschendes Finale

Takenouchi widmete sich dieser Pretiose mit Dezenz und Duftigkeit, ließ aber im mächtig rauschenden Finalsatz keinen Zweifel am pianistischen Anspruch dieser vergessenen Rarität. Zum Finale erneut ein pianistisches Schwergewicht mit der üppig-wuchernden “Sonata minacciosa” des russischen Kosmopoliten Nikolai Medtner.

Den vollgriffigen Klaviersatz ließ der sympathisch-bescheidene Japaner mühelos und kraftvoll von Klimax zu Klimax anschwellen, wobei der pianistischen Effekte bis zum gebieterischen Schlusston kein Ende war.

Ein Triumph gleichermaßen für Hiroaki Takenouchi und die “Raritäten”-Idee!

Detlef Bielefeld

(August 2010)